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Urheberrecht

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Möchte man E-Learning-Elemente in die Hochschullehre integrieren bzw. elektronische Medien nutzen, treten vielfältige urheberrechtliche Fragestellungen auf: Sind die ausgewählten Dokumente, Grafiken, Fotos, Tabellen, Diagramme, Sound- und Videofiles urheberrechtlich geschützt? Unter welchen Bedingungen darf ich Materialien für Unterrichts- und Forschungszwecke nutzen?

Bitte beachten Sie, dass wir hier nur eine allgemeinen Einblick geben können. Für Irrtümer und Fehler übernehmen wir keine Haftung. Bei konkreten Rechtsfragen sollten Sie eine rechtliche Beratung einholen.

 

Was ist urheberrechtlich geschützt?


Unter den Schutz des Urheberrechts fallen Werke der Literatur, Wissenschaft und Kunst. Geschützt ist die konkrete Ausdrucksform einer Idee. Vorraussetzung ist eine gewisse individuelle schöpferische Leistung und Originalität. Allerdings sind die Anforderungen bei einigen Werkarten sehr gering, so dass im Zweifelsfall sicherheitshalber von einem urheberrechtlichen Schutz ausgegangen werden sollte.

Die Schutzdauer erstreckt sich auf 70 Jahre nach dem Tod des/r Urheber/in. Gegebenenfalls müssen auch nach Ablauf der Schutzdauer Verwertungsrechte beachtet werden. Sie werden es also nur in seltenen Ausnahmefällen mit nicht schutzfähigen Werken zu tun haben.


Beispiele für geschützte und frei verwendbare Werke im Bereich des E-Learning


Geschützte Werke:

  • wissenschaftliche Fachaufsätze, Literatur
  • Vorträge, Universitätsvorlesungen, Reden
  • Werke der Musik, Audiomaterial (Soundfiles, MP3-Musikdateien)
  • Werke der bildenden Kunst, Bildmaterial (aufwändig gestaltete Screendesigns, Diagramme, Tabellen, technische Zeichnungen, Fotografien, Filme, Screenshots, Grafiken, Clip Arts, Logos, virtuelle Figuren)
  • Werke der angewandten Kunst (Computerprogramme, Datenbanken, Gebrauchstexte, Mulitmedia-Anwendungen)
  • technische Normwerke (z.B. DIN-Normen)
  • Darstellungen wissenschaftlicher oder technischer Art, wie Zeichnungen, Pläne, Karten, Skizzen, Tabellen und plastische Darstellungen
  • Gesetzes- oder Leitsatzsammlungen von privaten Autoren oder Verlagen
  • Teile eines Werks, Entwurfsmaterial sowie unvollendete Werke


Frei verwendbare Werke:

  • wissenschaftliche Formeln und Methodik
  • amtliche Werke (Gesetze, Verordnungen, amtliche Leitsätze)
  • Werke mit abgelaufener Schutzfrist
  • Allgemeinwissen
  • mit Zufallgenerator erstellte Computerprogramme


 Ausnahmeregelung für Forschung und Lehre

 

Grundsätzlich muss für die Nutzung urheberrechtlich geschützter Werke die Einwilligung des Urhebers eingeholt werden. Für Forschung und Lehre gelten allerdings Ausnahmen, die in § 52a und § 53,3 UrhG geregelt sind. § 53,3 UrhG bezieht sich auf die Vervielfältigung von Werken (Papierkopien). Für E-Learning relevant ist der § 52a UrhG, der die Veröffentlichung von Werken für den Einsatz in Lehre und Forschung regelt.

Möchten Sie Ihren Studierenden urheberrechtlich geschützte Werke digital zur Verfügung stellen, müssen Sie folgendes beachten:

  • nur sehr kleine Teile eines Werkes (rechtlich umstritten, wie viel!), Werke geringen Umfangs (z. B. Bild) und einzelne Zeitungs- und Zeitschriftenbeiträge verwenden. Nach einem Urteil des BGH dürfen bis zu 12 Prozent eines urheberrechtlich geschützten Werks online zur Verfügung stellen werden, allerdings insgesamt nicht mehr als 100 Seiten; Voraussetzung ist, dass der Rechteinhaber keine "angemessene" Lizenz für eine Online-Nutzung angeboten hat.
  • Quellen nennen
  • nur das verwenden, was für die Veranschaulichung im Unterricht unbedingt notwendig ist
  • Teilnehmerkreis muss eindeutig und begrenzt sein (Teilnehmerverwaltung und Passwortschutz)
  • es dürfen keine kommerziellen Interessen verfolgt werden

 

Eine weitere Ausnahmeregelung ist das Zitatrecht nach § 51 UrhG. Hier dürfen im Rahmen eines selbstständigen wissenschaftlichen Werkes urheberrechtlich geschützte Werke ganz oder teilweise als Beleg der eigenen Gedanken übernommen und veröffentlich werden.

Typische Fallbeispiele und Problemstellungen


Digitale Verbreitung von Fachliteratur

  •  »Darf ich ein ganzes Lehrbuch einscannen und dieses anschließend den TeilnehmerInnen im Rahmen
    meiner Lehrveranstaltung online zur Verfügung?«


    Nein. Ohne Einwilligung des Urhebers dürfen Sie nur kleine Teile eines Werkes zur Veranschaulichung im Unterricht öffentlich zugänglich machen. Es ist rechtl. umstritten, wie viel zulässig ist. Kleine Werke (z. B. Bilder) sowie einzelne Beiträge aus Zeitungen oder Zeitschriften können Sie komplett zur Verfügung stellen.

 

  • »Darf ich urheberrechtlich geschützte Materialien in geringem Umfang für meine Studierenden frei zugänglich ins Netz stellen?«

    Nein. Der Personenkreis muss eindeutig und abgegrenzt sein, es dürfen also z. B. nur die Teilnehmer/innen Ihres Seminars darauf zugreifen können. Dies müssen Sie mittels Zugriffskontrollen (Passwörtern) sicherstellen. Einen Rahmen hierfür bieten Lernplattformen.

 

  •  Darf ich urheberrechtlich geschütztes Material auf der zentralen Lernplattform der Universität den Studierenden zur Verfügung stellen?

    Auch das Bereitstellen auf der Lernplattform gilt als Veröffentlichung. Sie bedarf nur dann keiner Einwilligung des Urhebers, wenn die Voraussetzungen des §52a erfüllt sind. Es dürfen also nur kleine Teile eines Werkes, Werke geringen Umfangs und Zeitungs- und Zeitschriftenartikel veröffentlich werden. Der Zugang muss auf die Teilnehmenden Ihres Kurses / Seminars beschränkt sein, d.h. Sie müssen die Lehrveranstaltung zusätzlich mit einem Passwort schützen. Quellen müssen auch hier selbstverständlich angegeben werden und der Einsatz der Materialien muss für die Veranschaulichung der Lehre notwendig sein.

 

Verwendung von Bildern/Grafiken 
 

  • Darf ich urheberrechtlich geschützte Bilder in meine E-Learning-Materialien einbauen?

    Sofern die Bilder für das Verständnis eines Textes erforderlich sind, können Sie diese im Rahmen des Zitatrechts einbauen. Allerdings darf das Bild nicht zur Hauptsache werden.

    Sofern Bilder zur Veranschaulichung von Lehrinhalten in der Hochschullehre erforderlich sind, können Sie sich auf § 52a UrhG berufen. Hier muss allerdings der Teilnehmerkreis begrenzt sein (s.o.).

    In beiden Fällen müssen Sie die Quelle bzw. den Namen des Urhebers angeben.

    Der Einsatz zu reinen Illustrationszwecken ist ohne Einverständis des Urhebers nicht möglich.

 

  • Darf ich eine Grafik bearbeiten und dann in meine Materialien einbinden?

    Sofern Sie eine urheberrechtlich geschützte grafische Darstellung lediglich bearbeiten (nachzeichnen, nachbauen, Farben verändern etc.), benötigen Sie hierfür das Einverständnis des Urhebers.

    Sie benötigen keine Einwilligung des Urhebers, wenn ihnen die Grafik nur als Anregung für ein eigenes Werk dient. Die "eigene Handschrift" des neuen Werkes muss klar erkennbar sein.

 

Gestaltung von Webseiten

  • Bei der Pflege einer Webseite ist bei der Verwendung fremder Inhalte unbedingt auf die urherrechtlichen Bestimmungen zu achten.

    Wir möchten Sie an dieser Stelle auf das Rundschreiben (8/2011) des Kanzlers vom 05.05.2011 verweisen: Gerade beim Einbinden von Bildmaterial aus dem Internet oder der Verwendung eines digitalen Stadtplans ist dringend auf die Verwendungsmöglichkeiten und die Einhaltung des Urheberrechts zu achten und ggfs. eine Nutzungserlaubnis einzuholen. Im Falle einer unerlaubten Verwendung ist mit einer Abmahnung zu rechnen, Schadenersatzansprüche sind vom Verusacher zu tragen. Außerdem gilt bei der Pflege von Institutswebseiten die IAO (InformationsAngebote-Ordnung) der Universität Freiburg
  • Darf ich auf urheberrechtlich geschützte Werke verlinken?

    Reine Hyperlinks (Verweise auf andere Homepages) oder Deep-Links (Verweise auf tiefer liegende Seiten bzw. Dateien) auf öffentlich zugängliche Materialien sind nach bisheriger Rechtsprechung unkritisch.

    Das Einbinden urheberrechtlich geschützter Inhalte auf der eigenen Seite durch Inline-Links und Frames bedarf der Zustimmung des Urhebers.

 

Quellenangaben

  • Reicht eine URL als Quellenangabe aus?

    Nein. Sofern aus dem Impressum oder anderen Quellen weitere Angaben hervorgehen (Name des Urhebers, Verlag, Titel des Werkes, Datum etc.), müssen diese genannt werden.

 

Integration von Film- und Audioausschnitten in multimedialen Lernprogrammen

  • Darf ich Film- und Audioausschnitte aus urheberrechtlichen Werken für multimediale E-Learningmaterialien verwenden?

    Ausschnitte aus Film- und Theateraufnahmen dürfen nicht ohne vorherige Einwilligung des Rechtsinhabers verwendet werden.
    Um das Nutzungsrecht zu erlangen, wendet man sich i.d.R an die Produktionsgesellschaft oder an eine Verwertungsgesellschaft (bei Musik z. B. GEMA).
    Sie sollten nur solche Video- und Audioausschnitte verwenden, bei denen feststeht, dass der Urheber mit der Nutzung einverstanden ist.


(Kommerzielle) Weiterverwendung von E-Learning Materialien außerhalb der Hochschule

  • Darf ich meine für eine Lehrveranstaltung erstellten E-Learning-Materialien außerhalb der Hochschule kommerziell weiternutzen?
    In diesem Fall muss zwischen HochschulprofessorInnen und wissenschaftlichem Personal differenziert werden:

    HochschulprofessorInnen sind in ihren Aufgaben selbstständig und weisungsfrei tätig. Sie genießen den Schutz der Wissenschaftsfreiheit. Es gehört nicht zu ihren dienstrechtlichen Pflichten urheberrechtlich geschützte Werke zu erstellen. Deshalb müssen die Nutzungsrechte an von Hochschulprofessoren erstellten Werken nicht der Universität übertragen werden. Es ist allerdings noch nicht vollständig geklärt, ob ein Hochschulprofessor nicht in der Pflicht steht, die Nutzungsrechte eines Werkes zuerst mit der Hochschule zu verhandeln, bevor diese an Dritte abgegeben werden.

    Werden die Lehrmittel von wissenschaftlichen Assistenten oder Mitarbeiterinnen innerhalb der dienstvertraglichen Aufgaben erstellt, liegen die Nutzungsrechte bei der Hochschule und können somit nicht ohne weiteres an Dritte weitergegeben werden. Wurden die Lehrmittel in der Freizeit eines wissenschaftlichen Assistenten oder Mitarbeiters erstellt oder wird dieser selbständig wissenschaftlich tätig (z.B. Promotion), liegen alle Rechte allein beim Urheber. Dieser kann somit frei über die Rechte verfügen und ist nicht verpflichtet sie zuerst der Hochschule anzubieten.

 

Informationen zur Befristung des §52a UrhG

Die Befristung des §52a UrhG wurde mit Beschluss des Bundesrates am 28.11.2014 aufgehoben. Er ist nun unbefristet gültig.

 

Quellen und weiterführende Infos

 

FAQ zum Urheberrecht Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie

FAQ zum Urheberrecht Kompetenzbereich E-Learning an der Charite

E-Legal? - Rechtsfragen im E-Learning, Themenspecial auf e-teaching.org

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