2026-01-14: KI in der Lehre der Universität Freiburg längst angekommen
Vor gut einem Jahr, im November 2024, startete das Pilotprojekt „AI-Chat“ an der Universität Freiburg. Initiiert von der Abteilung E-Learning wurden im Rahmen des von der Stiftung Innovation in der Hochschullehre geförderten Projektes 4D verschiedene Large Language Models (LLMs) in die Lernplattform ILIAS integriert, so dass eine datenschutzfreundliche Nutzung unterschiedlicher Modelle ohne die Weitergabe von Nutzerdaten an KI-Anbieter möglich wurde. Begleitend wurde ein KI-Schulungsbereich aufgebaut. Interessierte Studierende und Mitarbeitende konnten sich für die Nutzung des AI-Chats registrieren und haben an einer Eingangsbefragung teilgenommen, in der sie zu ihren bisherigen Erfahrungen und ihren Bedarfen befragt wurden. Zum Ende der Pilotphase im Sommer 2025 wurde eine Abschlussbefragung durchgeführt, um die Erfahrungen mit den angebotenen Tools und eventuell bestehende weitere Bedarfe zu erheben.
Insgesamt haben sich 1051 Personen während der Pilotphase für den AI-Chat registriert. Es wurden in der Eingangsbefragung die Antworten von 275 Lehrenden und 758 Studierenden ausgewertet.
Vorerfahrungen mit KI-Tools
Die meisten der AI-Chat-Nutzer*innen hatten schon Vorerfahrung mit KI-Tools: 97 % der Studierenden gaben an, dass sie bereits vor der Registrierung für den AI-Chat LLMs verwendet haben. 83 % von ihnen nutzten diese mindestens einmal wöchentlich im Studium. Von den befragten Lehrenden hatten 81 % schon zuvor KI-Tools genutzt, allerdings nur 48 % von ihnen hatten die Werkzeuge auch in der Lehre eingesetzt. Das meist genutzte KI-Tool (vor der Nutzung des AI-Chats) war sowohl bei Studierenden wie auch bei Lehrenden ChatGPT in verschiedenen Versionen.
Vielfältige Nutzungsszenarien bei Studierenden
Die Nutzungsszenarien von KI-Tools im Studium sind sehr vielfältig. Die Antworten der Studierenden zeigen, dass sie KI-Tools nicht einfach zur Lernvermeidung nutzen, sondern hauptsächlich zur Lernunterstützung. Bei der Nutzung in der Textarbeit überwiegt nicht das Texterstellen, sondern das Zusammenfassen von Texten, wie Abbildung 1 zeigt.

Abb. 1: Nutzungsszenarien in der Textarbeit bei Studierenden
Über die Textarbeit hinaus nutzen die Studierende KI-Tools vor allem als Lerncoach (siehe Abb. 2):

Abb. 2: Weitere Nutzungsszenarien bei Studierenden (außer Textarbeit)
In den offenen Antworten wird die Vielfalt der Szenarien noch deutlicher: die Studierenden lassen sich Feedback zu eigenen Ideen geben, erstellen mit KI-Tools Übungsaufgaben, Karteikarten und/oder Lernpläne, nutzen KI als Diskussionstool, simulieren mündliche Prüfungen, lassen sich Verständnisfragen beantworten, eigene Texte korrigieren, finden Synonyme, nutzen KI für Brainstorming und so weiter.
Geäußerte Wünsche und Bedarfe
Insgesamt wurde in dieser Befragung auch deutlich, dass sowohl bei Studierenden als auch bei Lehrenden ein großer Wunsch nach eindeutigen Richtlinien und Regelungen besteht. Das Fehlen dieser Richtlinien wird als Vakuum empfunden, das eine offene Kommunikation über KI-Nutzung hemmt. Zitat einer Person unter den Studierenden: „Fände einen offenen Umgang und Kommunikation wertvoll bezüglich der Nutzung. Ist noch ein Semi Tabu. jeder nutzt es, keiner spricht recht offen.“
Zudem ist vielen die Qualifizierung von Studierenden und Lehrenden wichtig, damit alle einen verantwortungsvollen und kompetenten Umgang mit den Werkzeugen lernen. Zitat einer Lehrperson: “KI-Kompetenz der Lehrenden UND der Studierenden muss höchste Priorität erhalten - die Zeit drängt!“
Feedback zum AI-Chat zum Abschluss des Pilotprojekts
Die Ergebnisse der Eingangsbefragung spiegeln den Stand der KI-Nutzung der Befragten vor der Einführung des universitätseigenen AI-Chat wider. In der Abschlussbefragung des Pilotprojektes im Sommer 2025 wurden die Nutzer*innen des AI-Chat gebeten, Rückmeldung zum AI-Chat-Angebot zu geben. 81 Nutzer*innen nahmen an der Befragung teil (71 auswertbare Fälle). Es zeigte sich, dass die meisten Befragten (83 %) neben dem in ILIAS integrierten AI-Chat weitere KI-Anwendungen für ihre Arbeit bzw. für ihr Studium nutzten. Knapp ein Drittel von ihnen tat das aus Gewohnheit. Die restlichen zwei Drittel hatten nannten den eingeschränkten Funktionsumfang des AI-Chat (24 Nennungen), u.a. fehlende Möglichkeit Dateien oder Bilder hochzuladen, Dateien zu erstellen, Onlinesuche einzubeziehen. Auch der vergleichsweise komplizierte Zugang zu den LLM des AI-Chat war für einige ein Grund, andere Tools vorzuziehen.
Aktueller Stand – Open WebUI und dynamische Entwicklungen
Seit der Abschlussbefragung hat sich viel getan: Schon während der Pilotphase wurden fortlaufend Anpassungen am AI-Chat vorgenommen und der datenschutzkonforme Zugriff auf verschiedene KI-Chatbots und LLMs über „HAWKI“ zur Verfügung gestellt.
Im Oktober 2025 wurde die KI-Plattform Open WebUI an der Universität Freiburg eingeführt, die HAWKI ablöste. Mit Open WebUI werden viele Bedarfe der Nutzenden adressiert, die wir in der Evaluation des AI-Chat identifiziert haben: Open WebUI bietet neben dem Zugang zu unterschiedlichen Large-Language-Modellen zusätzlich die Option, eigene Dateien hochzuladen, eigene Wissensdatenbanken zu integrieren, die Chats zu sortieren, Bilder zu analysieren oder zu erstellen etc. Auch die Integration von KI in die Lernplattform ILIAS wurde verbessert und ausgebaut. Inzwischen ist das Modul „KI-Assistenten“ in der Lernplattform verfügbar, mit dem jede Lehrperson konfigurierbare Chatbots in die eigene Lehrveranstaltung integrieren kann. Auch die Verarbeitung einer Datenquelle ist inzwischen möglich.
Die Entwicklungen der Nutzung von KI in der Lehre wird auch weiterhin dynamisch bleiben. Ebenso werden sich das Angebot und die Aktivitäten der Universität Freiburg ständig anpassen und verändern. Über aktuelle Entwicklungen, angebotene LLMs und Schulungsmöglichkeiten können Sie sich im KI-Workspace für Studium und Lehre informieren.
Welche Möglichkeiten die Plattform Open WebUI bietet und wie Sie damit arbeiten können, erfahren Sie in der Anleitung „Arbeiten mit Open WebUI“.
Wenn Sie mehr über KI-Assistenten erfahren wollen, wofür Sie diese nutzen können und wie Sie sie anlegen können, dann lesen Sie der Anleitung „KI-Assistenten in der Lehre“.