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Spurensuche 1996

Ein Rückblick von den Anfängen bis 1996 - eine "Spurensuche" anlässlich der 30-Jahr-Feier des Rechenzentrums

Der Text dieser Spurensuche wurde 1996 in der RZ-Zeitschrift "ANRUF" anlässlich der 30-Jahr-Feier des Rechenzentrums im zwei Teilen publiziert (Ausgabe Oktober 1996, m9610, S. 32-37 und Ausgabe November, m9611, S. 24-35). Hier werden beide Teile zusammengefasst; an der Schnittstelle wurde der Text entsprechend angepasst. Historischer Rückblick auf ausgewählte Sektoren im Zeitraum von den Anfängen der Datenverarbeitung an der Universität Freiburg bis zum Jahresende 1996.

Begibt man sich auf Spurensuche, was wohl von 30 Jahren Existenz eines Rechenzentrums übrig geblieben sein mag, so stößt man bei der Befragung von "Zeitzeugen" auf eine Vielzahl oft sehr persönlicher Erinnerungen an dieses oder jenes Ereignis oder eine ganz spezielle Maschine, auf aus welchen Gründen auch immer im Gedächtnis gebliebene DV-Projekte oder man kommt schnell auf den einen oder anderen ehemaligen Nutzer oder Beschäftigten im Rechenzentrum zu sprechen. Es gibt auch zahlreiche schriftliche Überlieferungen, wobei der gesamte Aktenberg verwaltungsinterner Vorgänge für unseren Zweck bewußt ausgeklammert bleibt. Schriftliche Quellen berichten eine Menge, nicht selten sehr technische Fakten, von Leistungswerten und (Funktions-)Beschreibungen mit teilweise vielen Details, von Konfigurationen ganzer Rechnergenerationen samt ihrer Peripheriegeräte. Für unsere Zwecke besonders interessante Medien sind offizielle Publikationen und einige wenige Fotos. Wer sich mit Industriegeschichte schon einmal befaßt hat, wird sich kaum wundern, daß in nur ganz selten Fällen reale, "EDV-historische Gegenstände" wie Lochkarten oder auch mal ein kleineres Gerät wie ein Bildschirm auffindbar sind. Meist ist es Zufall, ein von irgendjemand aufhebenswert empfundenes technisches Teil, ein liegengebliebenes Ersatzteil, vom dem nur noch per Zufall zu erfahren ist, zu welcher größeren Einheit es einst gehörte. Die großen Maschinen, Rechner wie Peripheriegeräte, sind längst anderen Bestimmungen an anderen Orten zugeführt worden oder schlicht und einfach im Schrott, der Wertstoffverwertung oder dergleichen gelandet.

Geschichte des Rechenzentrums: Geschichte der Datenverarbeitung

Es wird schnell klar: Spurensuche nach Überlieferungen aus 30 Jahren eines Rechenzentrums und einiger Jahre der "Vorzeit" ist notwendigerweise auch ein Gang durch die Geschichte der Datenverarbeitung, deren Entwicklungswege sich in der jeweiligen technischen Ausstattung und in den Anwendungen der Benutzer geradezu widerspiegeln müssen. So gesehen kann ein Rückblick auf wenigen Seiten wirklich nur der Versuch einer Spurensuche sein.

Starten wir unsere Spurensuche bei der Rechnertechnik, den allerersten Rechenanlagen, noch in der Vorzeit des Rechenzentrums:

Wie alles anfing

Begonnen hatte alles an der Universität mit der berühmten Zuse Z 22 im August 1958 (stillgelegt 1966). Damals wurde dem Institut für Angewandte Mathematik dieser Rechner von der Deutschen Forschungsgemeinschaft zur Verfügung gestellt. Es war eine kleine Anlage, die schon bald den Rechenaufgaben der zahlreichen Freiburger Universitätsinstitute nicht mehr gewachsen war. Im Mai 1962 folgt ein weiterer Rechner, die Siemens S 2002 (stillgelegt 1971), der aber schon ein Jahr später nahezu an der Grenze seiner Kapazität angelangt war. Im April 1966 kommt endlich die IBM 7040-"Groß"rechenanlage hinzu, nachdem diese fast acht Monate lang nicht in Betrieb genommen werden konnte, weil sich der Ausbau des für ihre Installation vorgesehenen Kellers im Physikalischen Institut hinausgezögert hatte. Im Februar 1969 beschreibt H.G. Schirdewahn in den Freiburger Universitätsblättern, Heft 23, das neugegründete Rechenzentrum der Universität. Dort lesen wir zu den Aufgaben dieser Einrichtung:

"Sprunghaft steigen daher Jahr für Jahr die Anforderungen der verschiedensten Fachrichtungen nach mehr Rechenzeit und größerer Leistungsfähigkeit der Computer. Diesen Bedarf laufend zu befriedigen, ist eine der wesentlichsten Aufgaben des Freiburger Rechenzentrums. Es hat darum den Status eines fakultätsfreien Institutes, das nicht nur einzelnen Instituten, Seminaren und Kliniken, sondern der gesamten Universität mit allen ihren Dienststellen und Forschungseinrichtungen im Normalfall kostenfrei zur Verfügung steht. ... Zusätzlich hat es die Aufgabe, eine genügend große Zahl von Benutzern heranzubilden, die in der Lage sind, ihre Probleme selbst zu programmieren, das heißt, in eine den Rechenmaschinen verständliche Sprache zu übersetzen, um die Rechenanlagen entsprechend ihrer Arbeitsweise einsetzen zu können." Wie diese Aufgabe bewältigt werden soll, steht anschließend zu lesen: "Für die Aufgabe des Rechnens stehen im Zentrum zur Zeit zwei Maschinen zur Verfügung: die Rechenanlage Siemens 2002 im Keller des Instituts für Angewandte Mathematik (Hebelstr. 40) und die Rechenanlage IBM 7040 im Keller des Physikalischen Instituts (Hermann-Herder-Str. 3). Die Siemens 2002, die einschließlich aller Zusatzgeräte, der sogenannten Peripherie, einen Neuwert von zwei Millionen Mark darstellte, braucht etwa - um ein Beispiel zu nennen - drei Sekunden, um ein System von zehn linearen Gleichungen mit zehn Unbekannten, deren einhundert Koeffizienten zehnstellige Zahlen sind, zu lösen. Dies klingt erstaunlich, ist es aber nur bedingt; denn die zweite Anlage, die IBM 7040, arbeitet etwa vierzigmal schneller."

Die Arbeitsbedingungen an diesem Rechner waren alles andere als optimal: "Also gibt es für die IBM 7040, die gesamte Peripherie, das heißt alle Zubringermaschinen, für die Aufsicht, das technische Personal und die Benutzer nur Platz von der Größe einer mittleren Vierzimmerwohnung. Wichtige Räumlichkeiten (Toiletten, Waschräume, Lagerräume, Aufenthaltsräume) fehlen ganz. Wenn ein Operateur frühstücken will, muß er dies im ständigen Betriebslärm von über 80 Phon tun. Die entgegenkommenderweise vom Physikalischen Institut zur Verfügung gestellten Zimmer der wissenschaftlichen Mitarbeiter und der Programmierer liegen im Nachbarhaus, Räume für die Beratung der Benutzer und Arbeitsräume für die Benutzer fehlen völlig." Die Peripherie des Rechners war karg ausgestattet: "Das Rechenzentrum besitzt zur Zeit nur sechs alphanumerische Locher, das sind Geräte, die ebenso Buchstaben wie Zahlen auf Lochkarten bringen können". Dringend erforderlich erwiesen sich weitere Maschinen, uns heutigen Benutzern bereits "vorsintflutlich" anmutende Geräte wie Kartenlocher, Kartenbeschrifter, Tabelliermaschine, Sortiermaschine und Doppler.

Wer waren nun die Nachfrager der so zur Verfügung gestellten Rechenleistung? Folgende Tabelle gibt Auskunft über den Stand von 1970. (Quelle: Freiburger Universitätsblätter, Heft 36, 1972, S. 47)

Tab. 1: Ungefähre Verteilung der Rechenleistung auf die Fakultäten im Jahr 1970

Fakultät
Rechenleistung [%]
Rechtswissenschaft,
Wirtschaftswissenschaft
6
Medizin I und II
2
Philosophie I bis IV
6
Mathematik
(0,2)
Physik
42
Chemie
24
Biologie, Geowissenschaft
2
Forstwissenschaft
4
Eigenbedarf des RZ
8
Universitätsfremde
6

 

Interessant ist, daß seinerzeit langfristig mit einem Absinken des Anteils der Naturwissenschaften gerechnet wurde.

Beginn der "UNIVAC-Ära"

Im Juni 1971 erhält das Rechenzentrum eine Univac 1106. Im deutschen Hochschulbereich sind in den Monaten zuvor eine Reihe von Univac 1100-Anlagen installiert worden, so in Göttingen, Stuttgart und Karlsruhe. Die Freiburger Univac 1106-Anlage wird im "Rechenzentrum der Universität", einem Neubau aus dem Sofortprogramm des Landes Baden-Württemberg, untergebracht. Noch heute residiert das Rechenzentrum in diesem Gebäude in der Hermann-Herder-Str. 10.

Am 20.1.1972 wird die neue Rechenanlage der Universität offiziell eingeweiht. In den Freiburger Universitätsblättern, Heft 36, Juni 1972 steht über diese Anlage zu lesen: "Vergleich mit anderen Anlagen: Wenn man das Werk Konstanz der Firma AEG/Telefunken, in dem Großcomputer hergestellt werden, außer acht läßt, so hat das Universitätsrechenzentrum Freiburg unseres Wissens die größte Anlage Südbadens. In Freiburg befinden sich nur wesentlich kleinere Anlagen, die allerdings auch kaum der Wissenschaft, sondern fast nur Verwaltungsaufgaben dienen. Die größte dieser Anlagen im Regionalen Rechenzentrum bei der Gewerbeschule dürfte 5mal langsamer als die Univac 1106 sein."

Dennoch, auch die neue Anlage ist, möglicherweise auch infolge von Nachholbedarf, schnell gut ausgelastet. Schon drei Monate nach ihrer Übergabe (29.6.1971) muß sie an Werktagen in zweieinhalb Schichten gefahren werden, zusätzlich war bereits eine Samstagsschicht notwendig geworden, ab 1.2.1972 wird sie in drei Schichten gefahren. Der überwiegende Anteil der vorhandenen Kapazität wird von Naturwissenschaftlern genutzt. Dieser Rechner kann nur einige wenige Bildschirmgeräte (Terminals) gleichzeitig bedienen, die zentral im Rechenzentrum aufgestellt sind. Für die Benutzer - sofern sie sich als "Lochkartenexperten" überhaupt an die ungewohnte Bildschirmkommunikation heranwagen - bedeutet diese "Konfiguration" nicht selten, lange Wege und unnötige Wartezeiten in Kauf nehmen zu müssen.

Von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt ist im Juni 1973 die Rechenkapazität dieser Anlage wesentlich erweitert worden. Damit besitzt das Rechenzentrum den weitaus größten Computer Südbadens (nicht mitgerechnet Telefunken-Computer Konstanz). Die Univac 1106-II bietet nicht nur höhere Durchsatzleistung an Rechenpower, mit ihr können endlich auch neuere moderne Methoden verwirklicht werden. Eine ganz entscheidende ist die Möglichkeit einer dezentralen Aufstellung von Terminals (Ein- und Ausgabestationen), die aus verschiedenen, über die Stadt Freiburg verstreuten Universitätsinstituten einen direkten Kontakt mit dem zentralen Computer erlauben. So angeschlossen ist das geisteswissenschaftliche Zentrum in der Stadtmitte und ein Teil der Universitätsverwaltung in den Kollegiengebäuden. Der Anschluß der Terminals im Institutsviertel an den Großrechner erfolgt über ganz normale Telefonleitungen.

Zu Gast: Die Universität Konstanz

Als Kuriosum erscheint es, daß auch die Universität Konstanz über ein entsprechendes Terminal mit dem Freiburger Rechner verbunden ist. Im Rahmen der Landesplanung hatte sich nämlich die Universität Freiburg bereitgefunden, einen Teil seiner Rechnerkapazität befristet an Konstanz abzugeben, deren Universität seinerzeit vorläufig noch nicht mit einem Großrechner ausgestattet werden konnte.

Schon 1973 war unübersehbar, daß sich von Jahr zu Jahr die Anforderung der Universität nach Rechenbedarf fast verdoppelt. Im selben Jahr beginnt das Rechenzentrum mit Planungen einer noch leistungsfähigeren Anlage, die aber bis 1977 auf sich warten lassen sollte.

Dienstleistung und Rechenpower

Zehn Jahre nach seiner Gründung beschreibt H.-G. Schirdewahn in seinem Aufsatz "10 Jahre Dienstleistungen des Rechenzentrums für die Universität Freiburg" (Freiburger Universitätsblätter, Heft 51, März 1976) das Rechenzentrum mit seinen zahlreichen Dienstleistungen so: "mehr als ein Kraftwerk für Rechenleistung". Als überfakultative zentrale Einrichtung der Universität, vergleichbar der Universitätsbibliothek, dient es ausnahmslos allen Fachrichtungen, einschließlich Kliniken, für Aufgaben in der Lehre, Forschung und Verwaltung - wie vom Hochschulgesetz von Baden-Württemberg gefordert.

Neben Rechenleistung wird ein breites Spektrum an Dienstleistungen angeboten, zu denen vor allem individuelle und institutionelle Beratungsdienste zählen. Für die Programmberatung sind ganztägig drei RZ-Mitarbeiter eingesetzt, einer davon in der Außenstelle, die seinerzeit noch im KG I (heute in der Universitätsbibliothek, 1. OG) untergebracht ist. Bei komplexeren Problemen wird der entsprechende RZ-Spezialist hinzugezogen. Dies ist oft dann der Fall, wenn die Rechenanlage nicht für den Zweck, für den sie ursprünglich konstruiert worden ist, nämlich das Rechnen im eigentlichen Sinn, eingesetzt werden soll. Dazu zählen beispielsweise nichtnumerische Datenverarbeitungsaufgaben, wie sie im geisteswissenschaftlichen Bereich zunehmend anfallen. Es hatte sich herumgesprochen, daß man mit einem Computer nicht nur numerisch rechnen kann, sondern so eine Anlage auch ein höchst nützliches Hilfsmittel zum Erkennen von Zusammenhängen, zur Organisation und Umwandlung von Strukturen, zur Steuerung von Prozessen, zur Simulation von Vorgängen, zum Speichern, Ordnen und Wiederfinden von Daten sein kann.

Mehr als ein Rechenzentrum

Das Rechenzentrum, größte wissenschaftliche Einrichtung dieser Art zwischen Karlsruhe bis Konstanz, hat zwischenzeitlich auch regionale Funktion zu erfüllen. Seine Dienstleistungen werden sowohl durch Institute der Max-Planck-Gesellschaft in Anspruch genommen wie auch durch andere von der öffentlichen Hand finanzierte Forschungseinrichtungen.
Am 26. Oktober 1976 gegen 23.30 Uhr ist es soweit: Beobachtet von den zuständigen Sperry Univac Mitarbeitern und begutachtet vom anwesenden Operating, springt die Prozessor-DC-Uhr der Univac 1106 auf eine magische Zahl: 50.000 Betriebsstunden.

Endlich möglich: Zahlreiche dezentral aufgestellte Terminals

Doch die Ära der Univac 1106-II geht zu Ende. Ihr Nachfolgesystem ist die Sperry-Univac 1100/81, das 1977 installiert wird. Die neue Anlage zählt zu den leistungsstärksten im Hochschulbereich des Landes Baden-Württemberg - auch die Deutsche Lufthansa hatte kurz zuvor einen Rechner dieses Typs in Betrieb genommen. Die Aufgaben an der Universität sind gleich geblieben: Es gilt, alle Anforderungen aus den Bereichen Forschung und Lehre der Universität abzudecken. Die Hauptanwendungsgebiete sind physikalische, chemische und kristallographische Berechnungen, wirtschaftswissenschaftlichen Modellrechnungen, die Simulation biologischer Systeme und die statistische Auswertung psychologischer Experimente. Zunehmend werden Aufgaben aus den nichtnumerischen Bereichen bearbeitet, so aus der Germanistik, Sumerologie, der Geschichte und Theologie. Weitere Anwendungen kommen aus der Verwaltung der Universität und dem Klinikum. Endlich können über zahlreiche Terminals die Institute direkt mit dem Rechner kommunizieren. Unter Ausnutzung des universitätseigenen Telefonnetzes hatte das Rechenzentrum ein praktisch die gesamte Universität überdeckendes Datenübertragungsnetz (DÜ-Netz) aufgebaut, Mittelpunkt dieser strahlenförmig fest geschalteten Leitungen ist die EDV-Anlage. EDV-Kapazität wird zentral erzeugt und dezentral abgenommen, vergleichbar einem Stromnetz.

Die Sperry-Univac 1100/81 wird rund um die Uhr betrieben, wobei in den Tagstunden von 7.00 bis 23.00 Uhr im Mittel 40 Terminals gleichzeitig aktiv sind. Ca. 5 Batch-Runs und 40 Demand-Runs werden simultan abgewickelt, wobei die Prozessorleistung zu 35% dem Dialogbetrieb und zu 65% dem Stapelbetrieb zur Verfügung steht.

Netz und Netzdienste zunehmend wichtig

Auch wenn Ende der 70er Jahre schon ein recht leistungsfähiges DÜ-Netz vorhanden ist, so gilt es stetig, sehr komplexe Probleme zu lösen. Der Wunsch der Benutzer, ähnlich wie beim Telefon den Kommunikationspartner frei wählen zu können, bringt die Schwierigkeit mit sich, unterschiedlichste Gerätetypen ganz verschiedener Hersteller mit einem breiten Leistungsspektrum miteinander zu verbinden. Die Entwicklung und Implementierung international vorgesehener Datenübertragungsprotokolle steht erst noch an - und das Rechenzentrum arbeitet daran aktiv mit. 1983 beschreibt Herr Schirdewahn folgende "Zukunfts-Vision" (Forschung in Freiburg, Badische Zeitung vom 13.6.1983): "Diese Arbeiten sind inzwischen so weit gediehen, daß jetzt an einen schrittweisen Umbau des vorhandenen DÜ-Netzes gedacht werden kann. Da dieses DÜ-Netz einen Zugang zu allen Rechnern und Peripheriegeräten der Universität sowie zu den über öffentliche Netze erreichbaren EDV-Anlagen außerhalb der Universität ermöglichen wird, kann das DÜ-Netz auch für solche Universitätseinrichtungen Bedeutung erlangen, die nicht die Rechenanlagen des Uni-Rechenzentrums in Anspruch nehmen. Physikalisch gesehen wird nämlich die Großrechenanlage des Uni-Rechenzentrums damit zu einem Peripheriegerät eines die gesamte Universität überdeckenden Kommunikationsnetzes. ... Ein Benutzer kann dann mit ein und demselben Terminal nicht nur mit seinem eigenen Mikrosystem oder Kleinrechner, sondern auch mit "seinem Rechenzentrum" oder auch mit einer lokalen Datenbank (etwa dem OLAF-System der Uni-Bibliothek) sowie über eines der öffentlichen Netze mit Datenbanken auf Fremdrechnern (zum Beispiel DIMDI in Köln) arbeiten. Selbst der Anschluß an räumlich ferne Datennetze wie Telenet und Tymnet in den USA stellt dann kein technisches Problem mehr dar. ... Langfristig ist es ferner vorgesehen, einen Zugang zu dem für die Universitäten und Großforschungseinrichtungen geplanten "Deutschen Forschungsnetz" (DFN) zu schaffen."

Es sei noch mal erinnert - um die rasante Entwicklung auf diesem Gebiet im Zeitalter von Internet und WWW zu verdeutlichen: Obige Zukunftsperspektive ist gerade einmal vor 13 Jahren (Anmerkung im Jahr 2004: Publikation erfolgte 1996!) formuliert worden.

Zentralrechnerausbau, Vernetzung und externe Maschinen

Der Zentralrechner wird Anfang der 80er Jahre beständig weiter ausgebaut bzw. seine Leistung erhöht, er trägt nun die Bezeichnung Sperry-Univac 1100/82. Im Oktober 1985 kommt eine Sperry-Univac 1100/61 hinzu, die aber bereits im April 1987 wieder stillgelegt wird. Die Sperry-Univac 1100/82 kann 5 Millionen Maschinenbefehle pro Sekunde ausführen und bearbeitet in Spitzenzeiten bis zu 100 Aufträge gleichzeitig.

1983 werden am Rechenzentrum 687 Projekte bearbeitet, die insgesamt 376.317 Einzelaufträge an das Rechenzentrum erteilen. 111 dieser Projekte kommen aus den Philosophischen Fakultäten, 91 aus der Physik und 83 von Medizinern. Beim Rechenverbrauch lautet die Reihenfolge anders: Dort liegen die Physiker mit 40 Prozent an der Spitzte, gefolgt von den Chemikern und Pharmazeuten (14,7%) und den Philosophischen Fakultäten mit 9,7 Prozent. 1985 werden auf diesem Rechner 900 Projekte bearbeitet, 2724 Nutzer sind registriert.

Für die langfristige Datenhaltung steht 1984 im Rechenzentrum Platz für ca. 4,5 Milliarden Zeichen auf Magnetplatten zur Verfügung, was dem Inhalt von ca. 2 Millionen Schreibmaschinenseiten entspricht. Ein Zugriff auf die auf Platten gespeicherten Informationen ist jederzeit möglich, für seltener benötigte Daten steht ein Magnetbandarchiv zur Verfügung.

1984 sind ca. 300 Bildschirmarbeitsplätze und andere Terminals fest mit dem Rechenzentrum verbunden, überdies ist der Rechner über Telefon-Wählleitungen und über das Datex-P-Netz der Deutschen Bundespost erreichbar. Das herkömmliche strahlenförmige Datenübertragungsnetz ist 1984 im Wandel zu einem die gesamte Universität überdeckenden Kommunikationsnetz. Verbindungen nach außen, so zum Vektorrechner in Stuttgart bzw. zu Rechnern beim Kernforschungszentrum CERN in Genf können erfolgreich genutzt werden. Aber es ist nicht nur Rechenpower, die "importiert" werden kann, zunehmend kann über öffentliche Netze das Wissen großer externer Datenbanken, beispielsweise von DIMDI in Köln, in Freiburg direkt am Arbeitsplatz nutzbar gemacht werden.

Mit der Ausweitung der Möglichkeiten des Rechnereinsatzes wächst auch der Betreuungsaufwand. So ist 1984 (Uni aktuell, 21.5.1984) zu lesen: "Das URZ hilft nach Kräften bei DV-technischen Problemen und führt deshalb insbesondere eine Programmierberatung, eine Beratung über die Anwendung installierter Programme sowie Beratungen bei der Beschaffung von DV-Geräten durch. Eine Reihe von (total überfüllten) DV-Einführungskursen soll das notwendige Grundwissen vermitteln." Längst ist Datenverarbeitung mehr als das einstige numerische Rechnen: Sie ist auch Textverarbeitung, Verarbeitung anderer Zeichenfolgen wie Noten oder DNS-Sequenzen bis hin zu Zeichnungen oder Bildern.

Im Januar 1988 wird die Sperry-Univac 1100/82 abgerüstet zur Sperry-Univac 1100/81. Als am 30.6.1989 die SPERRY-UNIVAC 1100 stillgelegt wird, endet damit die Ära dieses Herstellers am Rechenzentrum. Schon seit einiger Zeit hatte eine IBM 3090-180E die Funktion als zentraler Großrechner übernommen.

Der neue Großrechner: IBM 3090

Im Juli 1987 erfolgt die Indienststellung der IBM 3090-180E, die im Januar 1989 durch die Vektoreinrichtung noch leistungsfähiger wird. Bereits 1987 verfügt dieser Rechner über eine Rechenleistung von 200.000 Rechnern vom Typ Zuse Z 22 (siehe auch Abb. 1). Allerdings sind mit diesem Rechnertyp und seinen wahrhaft gigantischen Dimensionen auch einige "Unannehmlichkeiten" verbunden: Die Anlage benötigt ohne die zusätzlich notwendige und sehr aufwendige Wasserkühlung 60 Quadratmeter Nutzfläche. Es ist kaum vorstellbar, daß heute ein ganz normaler PC eine Rechenleistung dieses Großrechners besitzt. Ganz problemlos erfolgt der Systemwechsel vom Hersteller UNIVAC zu IBM nicht, an einigen Universitätseinrichtungen, insbesondere den Geisteswissenschaften, werden zum Systemwechsel Bedenken und sogar Protest geäußert, war doch neben dem Umstieg auf ein anderes Betriebssystem teilweise auch die Aktualisierung von Programmen und ggf. ein Umkopieren von gespeicherten Daten erforderlich. Andererseits wird durch die IBM 3090 die besonders große und verbreitete Softwarewelt von IBM für Nutzer erschlossen.

rechenleistung 1966-1996

Abb. 1: Entwicklung der zetralen Rechenleistung von den Anfängen bis 1996

Wichtige Entwicklungsrichtungen sind Mitte/Ende der 80er Jahre:

  • Informations- und Kommunikationssysteme gewinnen an Bedeutung;
  • der Übergang von der Eigenprogrammierung zur Verwendung von Standardprogrammen ist nahezu vollzogen;
  • kleinere oder Alltagsarbeiten erledigen die zwischenzeitlich erschwinglich gewordenen Arbeitsplatzrechner (PCs).
  • Vernetzte PCs und leistungsstarke Workstations beginnen spätestens ab 1989 mit ihrem Einzug in den universitären EDV-Alltag.

1989: INTERNET in den RZ-Medien erstmals erwähnt

Spannendes ist in den RZ-Mitteilungen vom November 1989 zu lesen (S. 18):

  • Das RZ erwartet in Kürze den 400. Benutzer der auf der IBM 3090 und der SUN installierten Maildienste.
  • Über Wählmodems oder Akustik-Koppler ist das X.25 Netz der Universität (FDN) und damit alle verbundenen Einrichtungen auch nach Dienstschluß von zu Hause aus erreichbar. Übertragungsraten von 300, 1200 und 2400 Baud sind möglich.
  • Und schließlich und noch so ganz am Rande die Meldung, daß das Rechenzentrum seit 1.11.1989 an die von der Universität Karlsruhe eingerichtete Verbindung zum Internet angeschlossen ist und somit über 40.000 überwiegend in amerikanischen Universitäten an dieses Netz angeschlossene Rechner und die darauf verfügbare Software erreichbar sind.

"Computerviren" und "Softwareethik"

Ende der 80er Jahre - nicht zuletzt mit dem Siegeszug von PCs - treten auch ganz neue Schlagzeilen ins Rampenlicht: "Softwareethik", der Kampf gegen den unautorisierten Gebrauch von Software sowie das Dauerthema künftiger Jahre "Computerviren". Beides hat bis heute nichts an Aktualität eingebüßt - und betrachtet man es genau: Beide Themen sind ja voneinander nicht völlig getrennt zu sehen!

Überregionale Datennetze entstehen

Die Wichtigkeit von Datennetzen wird Anfang der 90er Jahre langsam erkannt, aber noch hat das Netz nicht seine heutige zentrale Funktion. Was noch 1983 wie eine Fiktion aussah, beginnt Wirklichkeit zu werden (s. Teil I, S. 37). Im November 1989 ist es noch eine eher nebensächlich scheinende Kurzmeldung (siehe oben) ganz am Rande auf der letzten Seite, daß Internetanschluß an der Universität vorhanden ist. Es war eine dieser Meldungen, mit der zunächst nur ganz wenige Leser in der Universität etwas anfangen konnten. Selbst noch zu Anfang der 90er Jahre ist die zukünftige Bedeutung und Funktion von Netzen, insbesondere von überregionalen Netzen, für viele nicht vorhersehbar. Noch fehlt weithin die Vorstellung, wofür so ein Netz wohl nützlich sein könnte. Im März 1990 wird der Anschluß der Universität an das Wissenschaftsnetz WiN gemeldet. Das WiN ist ein dem Datex-P nachempfundenes privates Netz für DFN-Mitglieder und übernimmt bei diesen die bisherige Funktion des öffentlichen Datex-P-Netzes. Im WiN sollen alle Universitäten, Großforschungseinrichtungen, Fachhochschulen und öffentliche Informationsanbieter (DIMDI, JURIS, STN wie auch der Südwestdeutsche Bibliotheksverbund) von Anfang an erreichbar sein. Fertigstellungstermin dieses Computer-Netzwerkes ist April 1990.

BelWü - sozusagen ein regionales Teilnetz des WiN - wird 1990 vorgestellt. Zwar wurde eine erste BelWü-Leitung bereits im Herbst 1987 geschaltet, der eigentliche Netzausbau mit Ausdehnung auf die Universitäten erfolgt jedoch im Schwerpunkt 1989. BelWü ist das schnelle Netz der lokalen Netze der Forschungseinrichtungen in Baden-Württemberg und wird vom Ministerium für Wissenschaft und Kunst finanziert. Neben ausgezeichneten Verbindungen zu den Supercomputern des Landes soll BelWü zukünftig auch autonome, von Rechenzentrumsanlagen unabhängige und sogar über Landeseinrichtungen hinausreichende Forschungskooperationen mittels dieses Netzes ermöglichen. Recht schnell wird die Universität Kaiserslautern angeschlossen, eine Verbindung zum Internet hergestellt, noch im selben Jahr folgt die Standleitung Freiburg-Basel. BelWü wird zum weltweit beachteten Pionier im Bereich der Anwendungen von Hochgeschwindigkeits-Rechner-Netzen in der Bundesrepublik. Auch hier ist 1990 unverkennbar, daß neben einigen bekannten Anwendungen die eigentliche Funktion dieses Netzes noch nicht fest definiert ist, seine zukünftige Bedeutung erscheint in dieser Anfangsphase noch als Zukunftsvision. Das Netz gilt in erster Linie als Infrastrukturmaßnahme, mit der die EDV-Zukunft vorbereitet werden soll.

Roboter bedient Bandsystem

Im April 1991 ist es nach mehr als zweijähriger Planungszeit soweit: Für den IBM-Zentralrechner werden neue Magnetbandkassetteneinheiten (4 Laufwerke) installiert. Gleichzeitig damit wird die neue Kassettenlibrary ACL mit einem 3000 Stellplätze umfassenden Kassettenregal in Betrieb genommen. Der eigentliche Clou aber ist ein umfunktionierter Industrie-Roboter (Abb. 2), der das ganze System bedienen kann, der das automatische Transportieren der Kassetten vom Regal zu einem der Laufwerke und umgekehrt besorgt. Der Roboter entlastet nicht nur das Operating, jetzt sind Magnetbandkassetten rund um die Uhr vom Nutzer direkt erreichbar - unabhängig von Operatordienstzeiten. Offiziell wird das System am 22. Mai von der Firma COMPAREX an das RZ übergeben

tape roboter 1991

Abb. 2: Roboter bedient automatisches Bandsystem (Aufnahme 1996)

Info - Gopher - WWW

Im Sommer 1991 wird das elektronische Informationssystem des Rechenzentrums "Info" vorgestellt. Dieses Eigenprodukt des Rechenzentrums sollte ein Vorgängermodell zukünftiger berühmter Informations- und Kommunikationssysteme sein: des Gophers und des heutigen weltumspannenden, nahezu unverzichtbar erscheinenden WWW (World Wide Web). Wiederum sind es nur einige wenige Nutzer außerhalb des Rechenzentrums, die sich mit dem neuen Infosystem anfreunden wollen, auch ist seine Funktion und Bestimmung innerhalb der RZ-Dienste zunächst kaum definiert. Wiederum gilt es auszuprobieren, was mit einem solchen System zukünftig möglich sein könnte und wie die Akzeptanz eines solchen Systems einzuschätzen ist. In den ersten Monaten registriert Info durchschnittlich nur einige wenige Zugriffe pro Tag. Versuche einer Vernetzung mit Infosystemen anderer Universitäten verlaufen in der Folgezeit ebenso erfolgreich wie die komfortable elektronische Abfrage und Überspielung von Softwareprogrammen auf den eigenen Rechner. Ein bislang undefiniertes Problemfeld zeigt sich bei der Festlegung, wer mit Info welche Nachrichten über RZ-Rechner und Universitätsnetze publizieren darf. Es ist seinerzeit ein engagiert umstrittenes Thema (nicht nur innerhalb des Rechenzentrums), ob auf diesem Wege Fußball- und Eishockeyergebnisse, Kulturnachrichten, Veranstaltungshinweise beispielsweise Theateraufführungen studentischer Gruppen verbreitet werden dürfen, ob gar ein elektronisches "Schwarzes Brett" eingerichtet werden soll, selbst die Verbreitung des aktuellen Mensaspeiseplanes steht zur Diskussion. Einigkeit besteht allerdings darin, daß kommerziellen Einrichtungen der Zugang nicht ermöglicht wird, Werbung und Reklame strikt zu unterbinden ist.

Erste Vorboten des Abschieds vom Zentral-/Großrechner

Im Jahre 1991 werden auf der IBM 3090 270 Projekte von ca. 600 Nutzern bearbeitet. Unverkennbar ist eine gewisse Konstanz in der Anzahl von Projekten und Nutzerzahl. In diese Phase kommt im Oktober 1991 eine Meldung in den RZ-Mitteilungen (S. 6), die in der historischen Nachbetrachtung wohl erster Vorbote einer zu Ende gehenden Ära von Zentral-/Großrechnern an der Universität ist, auch wenn dies zum Zeitpunkt der Meldung so weder beabsichtigt noch klar vorhersehbar ist: "Auf Vorschlag des Rechenzentrums hat die Universität beschlossen, die zentral vorhandene Rechnerkonfiguration durch ein Cluster von drei leistungsfähigen IBM RISC-CPUs zu ergänzen, die unter Funktionsaufteilung eng mit der vorhandenen IBM 3090 zusammenwirken werden. Die ursprüngliche Planung, die zentrale Rechenanlage durch Beschaffung einer zweiten 3090-CPU zum Modell 200E auszubauen, wurde damit fallengelassen." Vorteile des neuen Konzepts sind eine höhere Rechenkapazität gegenüber der ursprünglichen Planung, besonders aber soll damit die Rolle und der Funktionsumfang zentral bereitgestellter Rechenzentrumsdienste im Umfeld einer vernetzten, verteilten und heterogenen Rechnerumgebung deutlicher und zukunftssicherer verstärkt werden. Die Benutzerverfügbarkeit, zunächst im Testbetrieb, des neuen IBM RS/6000-Clusters mit seiner um den Faktor 10 größeren Rechenleistung gegenüber der IBM 3090 und mit seinem erweiterten, zentral bereitgestellten Softwareangebot ist nach Genehmigung in Bonn und Stuttgart auf Anfang 1992 geplant. Bereits Anfang März 1992 wird der planmäßige und normale Benutzerbetrieb auf dem gesamten Cluster von nunmehr vier Rechnern des Typs IBM RS6000/550 aufgenommen.

Wichtige und erfolgreiche RZ-Dienste kommen hinzu

1992 wird das Spektrum von RZ-Diensten wiederum kräftig erweitert: Der Diagnose- und Reparaturdienst für PCs startet im Mai. Als wichtige periphere Geräte werden Scanner für Bild- und Texterfassung angeboten. Zum 1. Mai wird der Unix CIP-Pool mit Server, PostScript-Laserdrucker und 8 Arbeitsplätzen, eingerichtet in Kooperation mit dem Institut für Angewandte Mathematik, im Raum -113 (UG) in Betrieb genommen. Weitere acht Workstations sollen Anfang 1993, aufgestellt im Raum -104, folgen.

Der heute von den Nutzern zahlenmäßig wohl mit am häufigsten nachgefragte Dienst des Rechenzentrums nimmt am 15. März 1993 seinen Testbetrieb auf: Der Mail-Dienst für Studierende. Er funktioniert über einen separaten Mailrechner und ist vom gesamten Universitätsnetz wie auch vom heimischen Rechner über Telefonleitung aus erreichbar.

Von "Info" zu "Gopher", so lautet eine Meldung in den RZ-Mitteilungen im Sommer 1993, die das Ende des im wesentlichen auf das RZ der Universität Freiburg begrenzten Infosystems ankündigt zugunsten einer leistungsfähigen und sehr umfassenden Lösung. Gopher ermöglicht erstmals sehr bequemen Zugriff auf weltweit angebotene Information und erlaubt weltweite Kommunikation - und dies alles, ohne sich mit anderen Oberflächen, Systemen oder Funktionen auseinandersetzen zu müssen. Im Sommer 1993 wird die neue zentrale Rechnerplanung vorgestellt. Solange noch ausreichend Bedarf dafür vorhanden ist wird VM/CMS Funktionalität (bislang angeboten über die IBM 3090) garantiert, allerdings durch eine im Tausch gegen das größere Modell erworbene, in Wartung und Betrieb sehr viel kostengünstigere IBM 4381 mit ca. 25 Prozent Leistung der 3090. Es ist dies auch Folge des Umsteigens von Arbeitsgruppen mit hohem Rechenbedarf vom 3090-System auf die zwischenzeitlich akzeptierte und bewährte UNIX-Systemumgebung. Neben den bisher vom Rechenzentrum aktiv unterstützten UNIX-Plattformen IBM (RS/6000) und SUN (SparcStations) sollen zukünftig weitere Plattformen unterstützt werden. Ferner sieht diese Planung zukünftig spezielle Compute-Server mit besonders hoher Rechenkapazität vor, sogenannte massiv parallele Systeme (MPPs), um die in verschiedenen Bereichen der Universität anstehenden rechenintensiven Forschungsprojekte sinnvoll, effizient und wirtschaftlich bearbeiten zu können.

InfoBase: Eine erfolgreiche Kooperation von UB und RZ

In den RZ-Mitteilungen August/September 1993 findet sich die Meldung (S. 5), daß die schon seit einiger Zeit im Testbetrieb befindliche Möglichkeit von Online-Literaturrecherchen in ausgewählten Datenbanken, die auf Hosts im Rechenzentrum installiert sind, ab 1. Oktober in Zusammenarbeit mit der Universitätsbibliothek als regulärer kostenfreier RZ-Dienst ausgebaut wird. Auch die Anzahl der angebotenen Datenbanken wird im Einvernehmen mit der UB erhöht. Es ist dies die Geburtsstunde eines auch heute gut genutzten Dienstes: InfoBase. Datenbankrecherchen sind in den USA und vielen anderen Ländern in- und außerhalb Europas längst ein Standardwerkzeug an Universitäten und anderen Forschungseinrichtungen. In Deutschland jedoch werden Online-Recherchen bislang nur von einem relativ kleinen Personenkreis regelmäßig genutzt, da die damit verbundenen Kosten zu einer sehr restriktiven Zulassung dieser Dienste geführt haben. Um dieser nachteiligen Entwicklung entgegenzusteuern, hat das Rechenzentrum mit Unterstützung des EDV-Ausschusses beschlossen, in Zusammenarbeit mit der Universitätsbibliothek und einzelnen Instituten möglichst viele der meistgenutzten Datenbanken auf eigenen Hosts zu installieren und allen Mitgliedern der Universität im Rahmen des InfoBase-Dienstes kostenfrei anzubieten. Der Anschluß an das universitätseigene Datennetz erlaubt somit Recherchen direkt vom Arbeitsplatz aus.

Kurz nach Einführung des Dienstes, im Februar 1994, wurden von 570 registrierten Benutzern insgesamt 2091 Datenbankaufrufe durchgeführt, hinzu kommen 1269 Aufrufe von Benutzern im Selbstbedienungsbereich der Universitätsbibliothek. Die Akzeptanz dieses Dienstes steigt in den folgenden Monaten kontinuierlich, so daß im Herbst 1994 die für das InfoBase System eingesetzte Hardware erneuert werden muß. Mit einer IBM RS/6000 Modell 550 hat sich die Leistungsfähigkeit zum Vorgängermodell mehr als verdoppelt, neue Retrievalsysteme sollen das System weiter optimieren. Die Anzahl der angebotenen Datenbanken erhöht sich 1994 erneut.

Der InfoBase-Dienst überzeugt auch andere Forschungseinrichtungen. Um die Jahreswende 1995/96 wird das Konzept landesweit erprobt und zwar im Zusammenhang mit der Beilstein-Datenbank (Organische Chemie). Fünf baden-württembergische Universitäten - Freiburg, Karlsruhe, Stuttgart, Hohenheim und Heidelberg - schließen sich zusammen und organisieren den Aufbau eines landesweiten Angebots dieser wichtigen Datenbank. Sitz des Servers ist Freiburg, er wird vom Universitätsrechenzentrum im Rahmen des Dienstes InfoBase betreut. Der Zugriff über Belwü auf den Freiburger Server ist schnell genug, um komfortabel arbeiten zu können, und so kann der landesweite Dienst seinen regulären Betrieb alsbald aufnehmen (ANRUF, Januar/Februar 1996).

Moderne Betriebssysteme in den PC-Pools

In den RZ-Pools wird echtes Multitasking, d.h. mehrere Prozesse können nebeneinander aktiv sein, möglich: Seit August 1994 ist auch der zweite PC-Pool mit OS/2 ausgestattet, einem leistungsfähigen echten 32-Bit-Multitasking-Betriebssystem mit idealer Integrationsoberfläche, da sowohl DOS- als auch WINDOWS- und OS/2-Programme darauf laufen. 1995 wird auch der Pool in der RZ-Außenstelle in der Universitätsbibliothek mit OS/2 ausgestattet.

Das Rechnerkonzept wird umgesetzt

Nachdem sie jahrelang im Layout nahezu unverändert geblieben waren, präsentieren sich die RZ-Mitteilungen mit der ersten Ausgabe 1994 im neuen Layout und unter neuem, bis heute bestehenden Namen: ANRUF.

In dieser Ausgabe beschreibt Herr Schirdewahn das Rechnerkonzept für Mitte der 90er Jahre: "Das DV - Konzept der Universität sieht in Übereinstimmung mit den Empfehlungen der Kommission für Rechenanlagen der Deutschen Forschungsgemeinschaft eine verteilte und vernetzte kooperative Rechnerversorgung vor. Hierbei stellen spezialisierte Rechner (Server) Dienstleistungen über offene Schnittstellen für andere Rechner oder Prozesse (Clients) bereit. Im Rahmen des Client/Server - Konzeptes wird ein Grundbedarf an DV-Ressourcen bedarfsgerecht entweder vor Ort (dezentral) oder im Rechenzentrum (zentral) abgedeckt. Neben diesen Grundbedarf tritt ein Spitzen- oder Spezialbedarf; die Ressourcen für diesen Bedarf werden aus wirtschaftlichen Gründen vorzugsweise zentral bereitgestellt.

Die im Rahmen dieses Konzeptes gegen Ende 1991 zunächst versuchsweise eingeführte, inzwischen bewährte auf UNIX gegründete offene Systemumgebung soll entsprechend einem im Juni 1993 gestellten sogenannten HBFG-Antrag im Jahr 1994 sowohl quantitativ deutlich ausgebaut, als auch durch Unterstützung zusätzlicher Plattformen (neben IBM und SUN zukünftig auch Hewlett Packard (HP) sowie Silicon Graphics (SGI)) wesentlich erweitert werden.

Diese Planungen ermöglichen es andererseits, die 1987 beschaffte IBM 3090 im Jahr 1994 durch ein kleineres IBM-Modell zu ersetzen."

Die Abschaltung der IBM 3090 und teilweise Ersetzung durch die IBM 4381 erfolgt wie geplant in der Pfingstpause 1994 (16. Mai). Der weitere Ausbau der IBM RS/6000 Plattform im Rechenzentrum ist im Frühjahr nahezu abgeschlossen. Die IBM 4381 wird schließlich am 31.12.1995 wegen mangelnder Auslastung abgeschaltet.

Neue Netzzugänge: Modem - Slip - ISDN

Der Zugang zum Freiburger Datennetz FDN ist Anfang 1995 außer über direkte Netzanschlüsse in universitätseigenen Gebäuden und Räumen auch aus den öffentlichen Wählnetzen der Telekom möglich, d.h. über Modems oder ISDN-Adapter und erlaubt damit z.B. den Zugriff auf Workstations im FDN oder die Nutzung von Diensten wie E-Mail, News, WWW, OLAF, INFOBASE, etc. von unterwegs oder zuhause. Eine solche Verbindung zu den RZ-Servicemaschinen ist qualitativ sehr viel mehr als eine einfache Terminal-Rechner Verbindung früherer Prägung, nun wird der eigene Rechner (zuhause) Teilnehmer im Internet.

Im Frühjahr 1994 stehen für den allgemeinen Dialogzugang 10 (16) Modem-Leitungen mit einer Geschwindigkeit von 14.4 kBit/s für interaktiven Terminalbetrieb und Dateitransfer zur Verfügung. Für den Zugang zu den IP-Diensten des Rechenzentrums werden 4 weitere Hochgeschwindigkeits-Modems eingerichtet, die die Anbindung von PCs oder Workstations an das Freiburger Datennetz FDN über SLIP (Serial Line Internet-Protocol, TCP/IP über serielle Leitungen) ermöglichen. Zusätzlich bietet das Rechenzentrum 5 ISDN-Anschlüsse mit einer Übertragungsgeschwindigkeit von bis zu 2*64 kBit/s an. Dies ermöglicht Anwendungen mit höheren Anforderungen an die Übertragungskapazität; beispielsweise kann ein Unix-Anwender X-Window-Sessions über das Netz initiieren (ANRUF, Mai 1994, S. 4ff). Bereits zwei Monate nach der Einführung des Internetzugangs über Modem (SLIP) wird im Oktober berichtet, daß der nun reguläre Dienst derart Zuspruch findet, daß es zwischen 19 und 23 Uhr bereits regelmäßig zu einem Engpaß beim Einwählen in den Rechner kommt, eine Situation die sich in den folgenden Monaten verschärft, was nicht verwundert: Bis 27.9.1995 waren 284 Benutzer zugelassen, bis 15.1.1996 waren es bereits 752, die sich mittels dieses RZ-Dienstes und einem handelsüblichen Wählmodem das Internet sozusagen in ihre Wohnstube holen können.

Internetdienst WWW beginnt seinen Siegeszug

Ein Jahr nach der Vorstellung und Einführung des Gophers wird im Sommer 1994 im ANRUF ein neues faszinierendes System aus der neuen Welt der Informationstechnologie vorgestellt: WWW (World Wide Web). Dieses System sollte in unvorstellbar kurzer Zeit einen beispiellosen Siegeszug in der vernetzten EDV-Welt antreten. Heute sind WWW-Adressen (erkennbar an der Zeichenfolge http://...) nicht nur in der Werbung selbstverständlich geworden, nahezu jede Firma, jeder Fernsehsender, sogar einzelne Fernsehmagazine, Serien bis hin zur Tagesschau haben eigene Internetadressen, über die alle möglichen Informationen vertrieben werden. Anfang 1994 gibt es in Deutschland relativ wenige Anbieter, oft sind es Universitäten oder einzelne Institute. Die Anzahl dieser Anbieter aber steigt insbesondere mit der Entdeckung dieses Mediums von der Wirtschaft monatlich. Es wird zunehmend schwieriger - alsbald unmöglich -, auch nur annähernd einen Überblick zu behalten. An der Universität Freiburg gibt es im Mai 1994 neben dem Rechenzentrum folgende Betreiber von WWW-Servern: Biochemie, Computerlinguistik, Informatik, Informatik und Gesellschaft, Experimentelle Physik, Theoretische Physik und die Wirtschaftswissenschaften Die WWW-Multimedia-Welt ist bunt, teilweise bereits bewegt (Film) und laut (Ton), aber gemessen an heutigen Verhältnissen 1994 (Anmerkung 2004: Geschrieben 1996!) noch relativ übersichtlich.

Gopher ist WWW keine ernsthafte Konkurrenz. Das Rechenzentrum betreibt noch für einige Monate beide Systeme parallel, jedoch schon bei der WWW-Einführung wird unmißverständlich das Ende des RZ-Gophers angekündigt. Die Wahl des Systems wird sehr schnell durch die hohe Akzeptanz von WWW, das heute (Anmerkung 2004: Geschrieben 1996!) fälschlicherweise nicht selten mit Internet gleichgesetzt wird, durch die Nutzernachfrage entschieden.

Insgesamt haben die geradezu explosionsartig häufig nachgefragten und für viele Wissenschaftler auch unverzichtbar gewordenen Netzdienste bewirkt, daß sämtliche Landesvorgaben und Mittelbewilligungen und damit auch die darauf aufbauenden Rechenzentrumsplanungen zum Netzausbau in Teilbereichen sich als unzureichend erweisen. Plötzlich benötigt nahezu jeder Wissenschaftler einen Netzanschluß - alle Planvorgaben gingen bis dato davon aus, daß die Anzahl benötigter Arbeitsplatzrechner je nach Fachrichtung schwankt, teilweise war für 10 Wissenschaftler nur ein Rechner vorgesehen gewesen, der dann auch einen Netzanschluß benötigt. Trotz ständig vom Rechenzentrum vorangetriebenem Ausbau der Vernetzung und der Umsetzung von Dringlichkeitsplänen wird es noch dauern, bis die Universität flächendeckend mit leistungsfähigen Verbindungen versorgt sein wird.

Täglich neue Nutzer im Rechenzentrum

 die nutzerzahlen des rz 1966-1996

Abb. 3: Entwicklung der Nutzerzahlen 1966 - 1996

All die neuen, unentbehrlichen, und überdies sehr beliebten Dienste zeigen Wirkung nicht nur bei den dringend geforderten Netzanschlüssen, sondern auch unmittelbar im Rechenzentrum. Es erweist sich als unabdingbar, die Benutzerverwaltung neu zu organisieren, da insbesondere zu Semesterbeginn sich pro Tag bis zu 50 Studierende im RZ zu einem oder mehreren dieser Dienste anmelden wollen. So haben sich die Anträge zur Nutzung von elektronischer Post binnen eines Jahres verdreifacht. Waren für diesen Dienst nach der Aufnahme des Testbetriebs für Studierende am 15. März 1993 im 2. Halbjahr 1993 schon knapp 1000 Nutzer registriert, waren es im 2. Halbjahr 1994 bereits über 3500 (InfoBase: knapp 2000) und im 1. Halbjahr 1995 sind es fast 5000 für E-Mail und über 2500 für InfoBase. Das schriftliche Antragsformular wurde für Studierende abgeschafft und Anmelde-PCs zur selbstständigen elektronischen Anmeldung eingesetzt - eine Maßnahme, die sich so gut bewährt, daß zum Beginn des Wintersemestern 1995/96 ein zusätzlicher Anmelde-PC in der Außenstelle in der UB installiert wird. Insgesamt steigen die Nutzerzahlen seit 1991 steil an (Abbildung 3), von 600 in 1991 auf über 14000 im Herbst 1996.

Der jüngste Dienst: Sicher sichern über Netz mit ADSM

Im Sommer 1995 wird erstmals die Möglichkeit der Datensicherung - eine sehr wichtige aber ungeliebte Arbeit, weil sie mit der eigentlichen wissenschaftlichen Aufgabe des Benutzers nichts zu tun hat - über Netz vorgestellt: ADSM (Adstar Distributed Storage Manager). Nach einer ausgiebigen Testphase soll zahlreichen Nutzern ein neuer, umfassender RZ-Dienst zur bequemen Datensicherung über das zwischenzeitlich so benannte schnelle Datennetz FUN (Freiburger Universitätsnetz) angeboten werden. Benutzer können mit ADSM eigene Dateien bzw. der Root-Manager als root alle Dateien seiner Workstation sichern und nachladen. Die komfortable grafische Benutzeroberfläche mit Onlinehilfe erlaubt eine Nutzung ohne Vorkenntnisse. Die Sicherung wird automatisch durch den ADSM-Server oder den Clientrechner gestartet, die Bandbedienung übernimmt der Roboter. ADSM und WDSF sind bis heute die einzigen Sicherungstools, die die Access Control Lists (Zugriffsrechte) im AFS-Dateisystem sichern und wiederherstellen können. Alle Workstations und PCs mit einem Netzanschluß (TCP/IP) ans RZ können den ADSM-Server nutzen. (ANRUF, August/September 1995). Die offizielle Einführung dieses Dienstes erfolgt am 18. November 1996.

Hier im Jahr 1996 endet die Spurensuche. Zahlreiche RZ-Dienste konnten nur am Rande angesprochen werden oder blieben unerwähnt: Dies sind beispielsweise die zahlreichen regelmäßig stattfindenden RZ-Kurse oder ebenfalls über all die Jahre ein beständiges, stets aktuelles Thema, das Bestreben des Rechenzentrums, Instituten und Studierenden ausgezeichnete Software zum günstigsten Preis anbieten zu können - zuletzt auf bequemem Wege über Netz. Bewußt unbeachtet blieben auch zahlreiche interessante technische Details im Zusammenhang mit den verschiedenen Rechner- und Gerätetypen, diverse Konfigurationen, für deren Funktionieren zu aller Zufriedenheit zahlreiche RZ-Mitarbeiter verantwortlich zeichnen. Außen vor blieben auch die Netztechnik und Netzanschlußpläne. Interessenten können sich über die meisten dieser Themen anschaulich und aktuell über den WWW-Server des Rechenzentrums informieren (http://www.rz.uni-freiburg.de).


(Zusammenstellung: Dr. H. Schyle)

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